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Von der Ungleichverteilung und armen Narren
Bewertet mit 5 Sternen:Morgan Leavy sitzt fest. Er ist zwar erster, aber dennoch nur Botschaftssekretär in einem westafrikanischen Staat (Kinjanja), wo er doch eigentlich zum Diplomaten wurde um aller Herren Länder zu erkunden. Alle Gelegenheiten sich zu profilieren und dem britischen Außenministerium ein Gesicht mit Erfolgsstory zu seinem Namen zu bieten, scheitern kläglich. Nicht allein seine träge berufliche Karriere verursacht ihm Kopfzerbrechen, auch das Privatleben und seine Heiratspolitik vermissen Strategie. Schließlich bleibt ihm die Frage wie er so geworden war, wie er war - egoistisch, dick und menschenfeindlich.
In seinem frühen Roman beschreibt William Boyd einen vermeintlichen Versager, der genug hat vom Versagen und bereit ist mit seiner Umwelt auf Konfrontation zu gehen. Parallel zu seinem eigenen unsympathischen Universum begegnen wir auch seinem Boss, einem ebenso unzufriedenen, noch viel überheblicheren Diplomaten auf der Abschussliste, dessen Ehefrau und Tochter (der unerreichbaren), einer afrikanischen Geliebten, die Morgen an der Angel hält, ohne die anderen Fische im Teich ziehen zu lassen, einem schottischen Arzt, einem korrupten afrikanischen Politiker, dessen Ehefrau, die jede ihrer Handlungen wohl bedenkt und einer Vielzahl afrikanischer Angestellter.
Und überwiegt auch der satirische Aspekt und die humorvolle Erzählung in diesem Roman, tritt unmissverständlich Korruption in Politik und Ungleichverteilung der Weißen gegenüber den Schwarzen ans Licht. Selbstsüchtige Politiker und ignorantes Diplomatenpack stehen afrikanischen Familien und deren ganz persönlichen Tragödien gegenüber - das Unverständnis für afrikanische Kultur und Zeremonien, die Gier, wenn nur wenige Pfunde fehlen für eine gerechtere Welt ... Allein der schottische Arzt bleibt von Stolz und Hochmut verschont und bleibt Mensch unter Menschen.
Unverkennbar William Boyd's gerissene Feder, geteilt in drei Teile, wobei der zweite zeitlich vorangeht. Am Ende wird dann alles irgendwie doch noch gut - da kann man Kritik anbringen (ich tu's nicht!).
Hanswurst in Afrika
Bewertet mit 3 Sternen:"hinreißend komisch" - wie die Times im Klappentext verspricht, ist dieser Roman nicht, aber etliche Stellen lassen einen doch schmunzeln - in dieser Geschichte über einen fetten, egoistischen englischen Botschaftssekretär in einem Phantasieland irgendwo in Westafrika, der sich immer mehr in selbst gelegten Fallstricken verheddert und schließlich doch eine gewisse Läuterung durchmacht. Das Problem mit diesen satirischen Romanen ist, dass alle Personen überzeichnet werden und man sich mit niemandem identifizieren kann - dies führt zu einem eher akademisch-abgehobenen Lesevergnügen. Dennoch liest sich dieser Roman ganz kurzweilig weg. Man merkt ihm allerdings an, dass er vor mehr als 25 Jahren geschrieben wurde - wer zuvor neuere Sachen von Boyd - wie z.B. Ruhelos - kennengelernt hatte, wird ein wenig enttäuscht sein.
Unser Mann in Afrika
Bewertet mit 5 Sternen:William Boyd, bekannt als einer der grössten Erzähler von fiktiven Geschichten ist bereits 1981 mit diesem Roman ein Volltreffen gelungen. Bekannt sind seine Romane EINES MENSCHEN HERZ oder RUHELOS, die auch in deutscher Sprache wegen ihrer bildhaften Sprache den Leser verzaubern. Der vorliegende Roman unterscheidet sich völlig von den vorher genannten, auch wenn seine geniale Fabulierungskunst wieder beeindruckt. Dieser Roman hat noch etwas anderes und das ist seine urkomische Situationkomik wie sie nur ein Angelsachse fähig ist zu beschreiben. Teilweise in der Manier von "running gags" beschreibt Boyd die Geschichte dieses Vice Konsuls, der ein ziemlich armes Würstchen ist. Mit der Begabung der Selbstironie versteht der Autor dem Leser die Kolonale Mentalität der Briten zu vermitteln.
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