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Schade: leider nur ein pseudowissenschaftliches Buch von 1988
Bewertet mit 1 Sternen:Ich bin von diesem Buch nach anfänglicher Freude enttäuscht. Dies liegt weniger am ersten Teil des Buches, welcher (von einem populärwissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen) wenig Grund zur Kritik lässt, auch wenn mir dieser Teil für meinen Geschmack etwas zu ungenau und übervereinfacht scheint.
Schlimm wird erst der zweite Teil des Buches. Hier entpuppen sich die Autoren als Anhänger (oder zumindest Bewunderer) des "Gaia"-Kults von Lovelock etc. Während die Autoren im ersten Teil des Buches zwar wertend auftreten, jedoch nie eine kritische Distanz vermissen lassen, wird das Brechen der -so wichtigen- Distanz im zweiten Teil erdrückend. Nachdem sie sich über ein Kapitel lang dem Werk (und der Weltanschauung) Ilya Prigogines widmen, wird die konträre Meinung Heinz Pagels ("[Prigogines Spekulationen bleiben] weiterhin im Zwielicht am Rande der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit" S.223) als "ätzende Kritik" eines "orthodoxe[n] Quantenphysiker[s]"(S.223) diffamiert. Schon hier wird ein Bild des traditionellen, reduktionistischen Wissenschaftlers gezeichnet, der den (quasi-religiösen) "Erleuchtungen" der Chaostheorie nicht folgen kann (oder will). Nachdem "nebenbei" auch noch die Evolutionstheorie auf (für Biologen) lächerliche Weise in Frage gestellt wird, wird dem Leser (und hier klingt die Gaia-Weltanschauung zum ersten Mal an) die "Endosymbionten"-Theorie in der Interpretation von Lynn Margulis (die als Erfinderin der Theorie dargestellt wird) vorgesetzt , auch hier wieder als neue Theorie der Chaosforschung gegen die reduktionistischen Wissenschaftler. Und so spinnt sich der Faden weiter, bis irgenwann dann doch das Wort "Gaia" fällt und das Buch zu einer Generalabrechnung der "ganzheitlichen" Chaosforschung mit den "reduktionistischen" Naturwissenschaften verkommt. Was all dies mit einer "Reise durch die Chaos-Theorie" zu tun hat, ist fraglich.
Dass dieses Buch (in der Originalausgabe von 1988!) trotz dieser eindeutigen Mängel von "dtv Wissen" immer noch vertrieben wird, ist ein Armutszeugnis und dtv nicht würdig.
Das beste Einsteigerbuch ins Chaos
Bewertet mit 5 Sternen:Viele Bücher über Chaos sind entweder zu oberflächlich und weisen nur nette Grafiken oder Platitüden auf oder sind so mathematisch, dass sie der Laie nicht versteht. Nicht so dieses Buch. Geschichte und Entwicklung der Chaosforschung werden anschaulich beschrieben, wie auch die Phänomene, ihre Grundlagen und ebenfalls philosophische Ausblicke.
Das beste Einsteierbuch ins Chaos!
Chaos Theorie als Welterklärung
Bewertet mit 5 Sternen:Dieses Buch war geeignet, meinen Blick auf die Welt erheblich zu verändern. Dabei geht es mir nicht um den 3. Teil des Buches, den ich für spekulativ und pseudo-religiös halte. Auch muss ich mir eingestehen, dass meine mathematisch - naturwissenschaftliche Ausbildung in der Schule leider nicht immer ausreichte, um das Buch zu verstehen. Aber dennoch: Nach Lektüre des Buches kam ich mir wie alphabetisiert vor. Ich glaube, sehr viele Phänomene deutlich besser zu verstehen zu können. Die Philosophen verlieren ihr Welterklärungsmonopol an die Mathematiker und Physiker.
unbedingt lesen!
Bewertet mit 5 Sternen:zugegeben, im letzten drittel kommt es zu abschweifungen und das lesen bereitet keine mit den vorhergehenden kapiteln vergleichbare freude mehr. dafür handelt es sich um ein exzellent recheriertes und geschriebenes buch. abgesehen von der liebevoll gestalteten aufmachung (idee der thematischen spiegelung an der buchmitte) und den durchweg klaren formulierungen bietet das buch eine menge beispiele aus dem täglichen leben und dem wissenschaftlichen kontext, die die zahlreichen denkanstöße illustrieren und untermauern. jeder der sich mit moderner wissenschaft beschäftigt sollte sein reduktionistisches denken mithilfe dieses buches hinterfragen. mathematische kenntnisse sind nur bedingt voraussetzung, da es oftmals darum geht eine idee bzw. den kern einer sache zu verstehen und nicht die mathematischen zusammenhänge. oftmals werden vergleiche und beispiele herangezogen, die einem den einstieg erleichtern.
Größtenteils empfehlenswert
Bewertet mit 4 Sternen:Selten hat mich ein Buch in letzter Zeit so zum Nachdenken angeregt wie dieses. So gesehen haben die Autoren vermutlich Recht, wenn sie die (potentielle) Bedeutung der Chaostheorie gleichsetzen mit den beiden großen Theorien des 20. Jahrhunderts, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie. Leider kommt manchmal zu klar zum Ausdruck, dass die Autoren selbst Verfechter dieser Theorie sind und so leidet an einigen Stellen, besonders im dritten Abschnitt, meiner Ansicht nach die Objektivität ein wenig. Überhaupt ist aus meiner Sicht der dritte Abschnitt der schwächste, verliert er sich doch ziemlich stark in Spekulationen. Die beiden anderen Abschnitte sind jedoch hervorragend und bieten eine Fülle von vielen Erkenntnissen, die man so oft noch nicht gesehen hatte. Auch die gelegentlich geringe Tiefe bestimmter mathematischer Aspekte kann eher als Anregung gesehen werden, sich tiefer in die Materie einzuarbeiten, zumal die Literaturliste sehr ausführlich ist. Alles in allem ist dieses Buch auf jeden Fall empfehlenswert.
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