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Der Erzähler als Essayist
Bewertet mit 5 Sternen:Schon früh ist der Erzähler Siegfried Lenz auch als Essayist in Erscheinung getreten, wie seine Sammelbände "Beziehungen" (1970), "Elfenbeinturm und Barrikade" (1983) oder "Über das Gedächtnis" (1002) belegen. Einige seiner Arbeiten aus den 90iger Jahren sind unter dem Titel "Über den Schmerz" erschienen.
Zumeist sind sie aus einem konkreten Anlaß entstanden wie z.B. "Israels Träume" als Laudatio auf Amos Oz, "Die Darstellung des Alters in der Literatur" als Vortrag vor der Deutschen Geriatrischen Gesellschaft oder "Über den Schmerz" als Dankrede im Rahmen der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Ben-Gurion-Universität in Jerusalem.
Häufig wiederkehrendes Thema seiner Ausführungen ist die existentielle Grunderfahrung des menschlichen Lebens als steinigem, leidvollen Weg von der Geburt bis hin zum Tod. Dabei nimmt Lenz nicht etwa die Haltung eines zornig oder resigniert Klagenden ein, sondern erkennt den Schmerz als "Seinsereignis", das als "Unheil" mit "Offenbarungscharakter" und als "Bruderschaft im Schmerz" erfahren werden kann. Der Vielleser Lenz spürt dem literarischen Bild des Alters nach und räumt dabei mit der Illusion auf, daß der Zuwachs an Jahren eine Steigerung der Schreibkunst bedeute.
In einem materialreichen Aufsatz beschäftigt er sich mit der literarischen Aufarbeitung der politischen Verhältnisse in Deutschland nach 1945. Aus eigener Erfahrung weiß er, daß die "unbedingte Kompromißlosigkeit" der Literatur und die notwendige Kompromißbereitschaft der Politiker zu harschen Konflikten führen müssen. Den Politikern aber schreibt er ins Stammbuch, daß sie sich zumindest an den in der Kunst geforderten Maßstäben orientieren sollten.
Die sieben Essays zeichnen sich allesamt durch einen ruhigen, mitunter fast leisen, nachdenklich-bedächtigen, auch zuweilen melancholisch klingenden Sprachton aus.
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